Karikaturen und Cartoons

von Roger Schmidt

Karikaturist Roger Schmidt

Sünden

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Zwischen Gut und Böse gäbe es nichts, behauptet mancher Purist und übersieht dabei, dass es ein UND, ein Konjunktor ist, der beide Extreme optisch trennt und grammatisch verbindet. Um diesem Dilemma zu entkommen, muss man sich auf die Dreifaltigkeit als Vorstufe der Bigotterie besinnen: Hölle, Fegefeuer und Paradies.
Karikatur, Cartoon: Sünden, © Roger Schmidt

Karikatur, Cartoon: Sünden

Wohin man warum kommt, ist in vielerlei religiösen Texten und im Steuergesetz ausreichend dokumentiert. Woher jedoch die absurde Idee stammt, dass Böses immer unter- und Gutes stets überirdisch anzusiedeln sei – dieser Frage wurde sich nicht zur Genüge angenommen. Sicher sind Erdbeben und Vulkanausbrüche keine angenehme Sache, doch wer möchte den allen Ernstes behaupten, dass sich Regenschauer und Hagel groß davon unterschieden? Die Hölle – dann sind in jedem Fall jene Knöpfe, welche im Aufzug unter der Erdgeschoss-Taste liegen. Eintrittskarten erwirb man durch das Begeh®en von Sünden. Reinwaschen kann man sich unter dem Sündenfall, denn der plätschert immer irgendwo. Dies setzt natürlich voraus, dass man sich vorher beschmutzt hat, was beim Begehen einer Sünde automatisch passiert, quasi vorprogrammiert wie der Fettfleck auf der Sonntagskrawatte. Sauber wird man durch Fallen.. am besten auf die Knie. Oder man lässt fallen….Wortschwalle beispielsweise, auch Beichte genannt. Die Absolution wirkt auf Sünden wie das rote Tuch auf den Stier (der hat ja schließlich auch Hörner): Durch ihre geballte Kraft, ihre Konzentration auf einen Punkt, reinigt und entfernt sie alles, was sich ihr an Schlechtem in den Weg stellt. Ein wenig wie ein Hochdruckreiniger oder Bleiche, welche an sich zwar nicht weiß ist, aber entsprechend rein wäscht. Bleibt zu klären, wer die Sünde erfand? Oder wurde sie ähnlich dem Gen-Defekt gar vererbt und entstand als DNA-Mutation der Reinheit? Vielleicht aus der Notwendigkeit zur Assimilierung, wie jene Schmetterlinge, die nach Generationen in Smog-verseuchten Großstädten ihr Äußeres entsprechend grau anpassten, bis der Smog verschwand. Da wurden sie wieder weiß, jedoch mit der genetischen Disposition versehen, immer dann grau zu werden, sobald es die Umstände wieder erfordern sollten.

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