Karikaturen und Cartoons

von Roger Schmidt

Karikaturist Roger Schmidt

Die Giftspritze

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Die Giftspritze - Humaner Sterben
Karikatur, Cartoon: Die Giftspritze, © Roger Schmidt

Karikatur, Cartoon: Die Giftspritze

Die Errungenschaften der Neuzeit sind immer wieder für eine Überraschung gut. Nach Erfindungen der Extraklasse, wie Friseursalons für Vierbeiner und geschälten Kartoffeln im Glas, trat eine ganz neue Idee auf den Plan…
Praktischer Humanismus! Dante für alle, quasi.
Nicht nur so ein theoretisches Geschwafel, nein, wir machen’s wirklich!
Eine Lösung für das Problem mit den Schwerverbrechern musste her. Aber nicht bei uns, denn wir haben nicht so viele. Die sind ja alle in Amerika und China. Und dort denkt man sich: Wenn wir die Todesstrafe schon nicht verbieten können, weil die Gefängnisse so überfüllt sind, dann wollen wir sie wenigstens human gestalten.
Dem geneigten Intellektuellen mag sich die Frage aufdrängen, wie zum Henker man eine Hinrichtung würdevoll gestalten soll, wo es doch, schenkt man der Bibel Glauben, ganz und gar verwerflich sei, seine Zeitgenossen überhaupt über den Jordan zu jagen. Die Lösung ist so nahe liegend wie grotesk: Eine Giftspritze sollte es sein.
Man könnte meinen, dass auf so was nur ein Amerikaner kommen konnte, aber nein, weit gefehlt- die Nazis waren es. Deren Anliegen war zwar sicherlich weniger, eine humane Tötung herbeizuführen, sondern lag viel mehr darin, möglichst effektiv Menschen zu vernichten, aber immerhin. Die Idee ist es, die zählt. Nun haben wir ihnen auch noch die Giftspritze zu verdanken, wenn auch der Gedanke, sie als offizielles Hinrichtungsmittel zu verwenden etwas neuer sein dürfte. Was aber ist denn nun eigentlich drin in so einer humanen Giftspritze? Marmelade vielleicht? Die Füllung für einen süßen Tod… von Dr. Oetker. Damit sich Delinquenten wie bei Muttern fühlen. Tolle Idee.
Wahrscheinlich wird ihnen auch noch die dritte Sinfonie von Rachmaninow vorgespielt und exotische Schönheiten tänzeln mit Palmenblättern um sie herum. Ein liebevoll säuselnder Henker im weißen Anzug hält ihnen die Hand und schwärmt von der Hölle. Dass es da gar nicht so schlimm sei wie alle behaupten, sagt er salbungsvoll und flößt dem Verbrecher nebenbei dessen Leibgericht ein: Kartoffeln, Spinat und Ei. Humaner geht’s ja nun wirklich nicht mehr! Immerhin ist zur Sicherheit auch noch ein Arzt dabei, der den Tod feststellt, denn die Giftspritze selbst verabreicht ein Mediziner nicht so gern. Das widerspräche ja dem Hippokratischen Eid. Und außerdem ist Dabeisein schließlich alles.

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